Digitalisierung in der Pflege: Welche Kompetenzen benötigen Pflegekräfte?
Eine internationale Studie des Zukunftslabors Gesundheit zeigt, welche Kompetenzen Pflegekräfte in einem zunehmend digitalisierten Arbeitsumfeld benötigen. Die Forschenden analysierten, wie sich die Anforderungen seit 2015 verändert haben und welche Fähigkeiten künftig verstärkt vermittelt werden sollten.
Pflegekräfte übernehmen in ihrem Alltag zahlreiche Aufgaben. Zu den pflegerischen Tätigkeiten gehören z. B. die Wundversorgung, die Medikamentengabe oder die Körperpflege der Patient*innen. Darüber hinaus erledigen sie administrative Aufgaben wie die Dokumentation der Behandlung, die Absprache mit Ärzt*innen und die Bestandskontrolle von Verbandmaterial. Im Zuge der Digitalisierung werden weitere, neue Anforderungen an Pflegekräfte gestellt. Doch welche Kompetenzen benötigen sie in einem Arbeitsumfeld, das zunehmend digitalisiert wird? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Forschenden des Zukunftslabors Gesundheit.
Bereits 2015 stand das Kompetenzprofil von Pflegekräften im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung im Mittelpunkt einer internationalen Studie und einer Studie im deutschsprachigen Raum. Beide Studien wurden von Forschenden der Hochschule Osnabrück zusammen mit internationalen Projektpartnern durchgeführt. Die Studien zeigten, dass Pflegekräfte insgesamt 24 Kompetenzen für ihren Berufsalltag benötigen. Insbesondere Managementkompetenzen im Bereich Projekt-, Prozess- und Change-Management wurden als wichtig eingestuft.
Die Veröffentlichung von damals wird immer noch viel zitiert. Das zeigt, wie aktuell das Thema nach wie vor ist. In den vergangenen Jahren erhielten wir zunehmend Anfragen, welche Kompetenzen Pflegekräfte vor dem Hintergrund der Digitalisierung benötigen. Da sich in den letzten zehn Jahren viel verändert hat, ist es wichtig, aktuelle Aussagen dazu treffen zu können.
Hochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Um zu prüfen, inwiefern sich diese Anforderungen innerhalb der letzten zehn Jahre verändert haben, führten die Forschenden des Zukunftslabors Gesundheit die Studie erneut durch. Zunächst ermittelten sie im Rahmen einer Literaturrecherche, welche Kompetenzen derzeit von Pflegekräften erwartet werden. Die Recherche ergab 43 Kompetenzbereiche, darunter auch sog. Future Skills wie Problemlösungsfähigkeit und den sicheren Umgang mit Patient*innendaten. Daraufhin verschickten die Forschenden die Online-Umfrage sowohl international als auch im deutschsprachigen Raum an Personen, die im Gesundheitskontext tätig sind.
Die Zielgruppe waren Fachkräfte aus der Pflege und weiterer Gesundheitsfachberufe, Lehrende aus Pflege- und Hochschulen, Forschende sowie Mitarbeitende aus der Industrie und Gesundheitsbehörden. Die Teilnehmenden sollten die Relevanz der Kompetenzen für folgende fünf Berufsbilder innerhalb der Pflege einschätzen:
- Klinisch-praktische Pflege: direkte Pflege von Patient*innen (z. B. Unterstützung bei der Körperpflege und Ernährung, Verband wechseln)
- Pflegemanagement: pflegerische Leitungsebene
- Interprofessionelle Koordination: Schnittstelle zwischen der Pflege und anderen Berufen in der medizinischen Einrichtung, sowohl intern (z. B. Pflegekräfte und Ärzt*innen innerhalb eines Krankenhauses) als auch extern (z. B. Rehabilitationszentren und Arztpraxen)
- Qualitätsmanagement: Prüfung und Verbesserung von Pflegeabläufen, Messung und Optimierung der Versorgungsqualität, Beschwerdemanagement
- IT-Management: Fachkräfte für Pflegeinformatik, Betreuung der Digitalisierung/Informatik in der Pflege
An der internationalen Studie nahmen 117 Personen aus 29 Ländern teil, alle Kontinente waren vertreten. Die Ergebnisse zeigen, dass Kompetenzen in der Pflegedokumentation weiterhin als sehr wichtig gelten. Zudem gewinnen Kompetenzen im Umgang mit Patient*innendaten an Bedeutung. Future Skills wie Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeiten werden ebenfalls als wichtig eingestuft. Außerdem wurde deutlich, dass bei allen Digitalisierungsprozessen die Sicherheit der Patient*innen im Fokus stehen sollte. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wurde für die Pflege bislang als nicht besonders relevant angesehen. Die Befragung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist noch nicht abgeschlossen. Sie wurde im Juli 2025 noch erweitert, indem auch ambulante Pflegedienste und Einrichtungen einbezogen wurden.
Neben der Frage, ob sich die Kompetenzanforderungen an Pflegekräfte in den vergangenen zehn Jahren verändert haben, untersuchen die Forschenden noch ein weiteres Thema. Hier geht es darum, welche Kompetenzen in der universitären Ausbildung oder in fachlichen Weiterbildungen gezielter vermittelt werden sollten. Deshalb werden die Teilnehmenden um Praxisbeispiele gebeten, in welchem Rahmen und Umfang die jeweiligen Kompetenzen durch bestehende Bildungsangebote vermittelt werden.
Auf Grundlage der Umfrageergebnisse möchten wir prüfen, inwiefern Bildungsangebote für Pflegekräfte an die aktuellen Kompetenzanforderungen angepasst werden sollten. Sinnvoll wäre es, die benötigten Kompetenzen bereits in Studiengängen zu verankern und ergänzend Zertifikatslehrgänge zu entwickeln, um Pflegekräfte gezielt zu schulen. Daher planen wir, aus den Kompetenzanforderungen konkrete Lernziele abzuleiten.
Hochschule Osnabrück, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften